Bird by Bird

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Ich lese gerade ein Buch von Anne Lamott „Bird by Bird – Some Instructions on Writing and Life“ und in ihrem Kapitel über „Perfectionism“ beschreibt sie genau das, womit ich beim schreiben kämpfe. Schreiben braucht Raum und Platz zum entfalten, oftmals tue ich mich damit schwer, ihm diesen Platz, diesen Raum zu geben. Es wundert mich jedesmal aufs Neue, wohin mich meine bisherige Schreibreise geführt hat, denn das Schreiben scheint mir nicht einfach nur ein weiteres Hobby, eine Fähigkeit, oder sonst etwas zu sein, sondern die Auseinandersetzung damit lässt mich auch sehr viel über mein Leben, zwangsweise, nachdenken. Der tägliche Versuch, etwas halbwegs anständiges auf Papier zu bringen, ist nicht die eigentliche Herausforderung, Schreiben bedeutet viel mehr, als nur Wort für Wort auf Papier zu bringen, bis es einen Satz ergibt und dann einen Absatz und dann eine Seite. Schreiben beginnt bereits früh am Morgen, wenn der Wecker eine Stunde früher als sonst klingelt, weil ich mir in dieser Stunde bwußt Zeit fürs Schreiben nehme. Schreiben bedeutet auf meinem Weg zur Arbeit, nicht länger stur entlangzutappen, oder in der Bahn mit gesengtem Kopf zu sitzen, oder im Bus. Schreiben heißt mein Umfeld bewußt wahrzunehmen, zu lauschen, zu beobachten, hellhörig zu sein, Schönheit, Schmerz, Leid, Freude, Gefühle, daraus resultierende Gedanken zuzulassen, um sie dann im Laufe des Tages, oder früh am Morgen als Futter für mein Schreiben zu verwerten.

Schreiben heißt, mich zu reflektieren, ehrlich zu mir zu sein, zu prüfen, ob ich wirklich offen genug durch die Welt gehe, mein Umfeld wahrnehmen, ob ich diszipliniert genug bin, um dieses Handwerk zu erlernen. Vorallem aber, ob ich entspannt genug bin, mich befreie, von all den Stimmen in meinem Ohr, all den Ansprüchen an mich, all die Zweifel in meiner Brust. Sie sind der einzige Hinderungsgrund, warum ich nicht so schreibe, wie ich meine schreiben zu können. Einem Feuer musst man Sauerstoff geben, das Schreiben ist mein Feuer, mein Imperfektionismus ist die Luft, die es braucht zu atmen.

In any case, the bottom line is that if you want to write, you get to, but you probably won`t get very far if you don`t start trying to get over your perfectionism.

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…no shit Sherlock!

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Nach den letzten Wochen, in denen ich mir irgendwie unsicher war was ich schreiben sollte, scheint es mir jetzt fast so, als sei diese Schleuse endlich mal wieder geöffnet worden. Hingedümpelt ist der treffend Ausdruck dafür. Jetzt mit neuem Feuer für meinen verdammten Roman, bin ich endlich wieder heiß, habe Lust drauf das Ding endlich von vorne bis hinten fertigzuschreiben. Die Idee ist genial, ehrlich, nur die Umsetzung erfordert viel, viel Arbeit. Die Anfänge sind zwar noch etwas holprig, aber ist es nicht ähnlich wie mit dem Bloggen, am Anfang klecksweise den einen oder anderen Beitrag geposted und eh ich mich versah, bin ich zu einem „Daily Blogger“ mutiert, auch wenn ich ein paar Mal darüber nachgedacht habe es wieder etwas einzuschränken, so hat sich das Unterfangen für mich dann insofern automatisiert, dass ich um nichts in der Welt die Kette von Tag für Tag aneinandergereihten Beiträgen abreissen lassen möchte. Eine Manie, vielleicht – allzu schädlich ist es jedoch nicht, wie ich meine.

Dieselbe Hoffnung habe ich auch mit meinem Roman, vor allem mit meiner Eingewöhnung regelmässig dafür zu schreiben, und mich nicht mit diesem verdammten „Word Count“ verrückt zu machen. Klar, so ein Roman braucht schon seine 80.000 Wörter, die sich auch nicht von alleine schreiben werden, aber ich hoffe, dass ich es schaffe entspannt zu bleiben, mich dem Prozess zu stellen. Diese kosten nun einmal ihre Zeit, mal mehr mal weniger, aber zum derzeitigen Stand kann ich noch nicht abschätzen, wie lange es schliesslich dauern wird, ich hoffe, dass ich dies auch für mich so akzeptieren werde.  Wie Volker von southberliner meinte: „…wir sind hier keine Textagentur. Wir lieben einfach das Schreiben.“ Weise Worte, die ich mir auf meine Fahne schreiben werden. Ich wünsche mir die innere Ruhe, die Kraft, vor allem den Biss, mir meinen Arsch für dieses Buch aufzureißen! Das ist mein Wusch für die nächste Zeit, nicht länger Hudeln. Auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, wie ein Autor arbeitet, immerhin bin ich noch Jungfrau, aber als Kompensation, sozusagen, tue ich einfach mal so, als hätte ich einen Schimmer. Ich muss versuchen mich solange davon zu überzeugen, bis ich es mir abkaufe.

 

2nd Draft

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Nach einer sehr langen Pause (vier Monate) habe ich es gestern endlich geschafft, die Erstfassung meines ersten Romans herauszukramen, ihn vom monatelangen Staub zu säubern und daran weiterzuarbeiten. Interessanterweise muss ich beinahe die komplette Erstfassung umschreiben, die Protagonisten bleiben dieselben, ihre Rolle wird sich jedoch in gewisser Weise ändern, wie auch die Handlung selber wird in großen Zügen verändert werden müssen. So nervig dies zum einen ist, immerhin habe ich bereits knapp 50.000 Worte für die Erstfassung verschrieben, so entflammt bin ich jetzt wieder daran weiterzuarbeiten, vor allem auch vor dem Hintergrund der veränderten Handlung. Ich bin davon überzeugt, dass diese Veränderung mich mehr reizen wird, als deren vorheriger Inhalt. Das ist dann wohl der Prozess, von dem man so viel spricht und noch mehr hört. Ich bin zumindest gespannt wie es sich entwickeln wird. Nachdem ich gestern die Handlung neu definiert habe, werde ich mich jetzt daran machen die einzelnen Kapitel zu strukturieren, um dann gezielt die Kapitel zu schreiben. Das ist mein Plan, ich denke ich brauche diese Struktur für ein erfolgreicheres Arbeiten.

4x Beach

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Gestern Abend, nach einem einer leckern Mahlzeit bestehend aus Zucchini-Pilz-Topf mit Basmatireis, alles schön scharf natürlich – natürlich, kam meiner bessern Hälfte die Idee, unseren brennenden Mundraum mit ein wenig Eis zu kühlen. Gesagt, getan, das einzige Problem lag nur daran, dass es bereist nach 20 Uhr gewesen ist, woher soll ich um diese Uhrzeit noch ein Eis herbekommen. Der kleine Eckladen, keine zwanzig Meter von unserer Wohnung entfernt, kam mir da gerade recht. 4x „Beach“ aus der Kühltruhe entnommen und ab ging es an die Kasse, neben ein paar Fuseln hatte ich fünf Euro in der Tasche, doof wenn ein Eis aber 1.50 kostet. Mit weit aufgerissenen Augen und mit viel Enttäuschung in der Stimme, meinte ich, dass ich dann wohl ein Eis zurücklegen müsste, worauf mir der Vorschlag unterbreitet wurde, ich soll ihm den fehlenden Euro doch einfach später vorbeibringen. Daraufhin ich: „…und das Eis jetzt aber schon mitnehmen, also alle vier?“ Sehr ungläubig musste ich meinen türkischen Eckladenbesitzer wohl angeschaut haben, weil dieser darüber einfach nur lachte und meinte: „….nein nein, nimm schon alle mit und bring mir den Euro einfach später vorbei.“ Ich habe ihn, mit einem leicht schräg gelegten Kopf, noch eine Weile angeschaut, weil mein deutsch-fränkische Gemüt nicht ganz verarbeiten konnte was mir gerade offeriert wurde. Ich muss dazu sagen, dieser Mensch hat mich noch nie zuvor gesehen und ich ihn ebensowenig, aber er vertraute mir bereits, dabei kannten wir uns doch erst seit wenigen Sekunden. Ich drückte ihm meine fünf Euro in die Hand und meinte mit besten deutschem Pflichbewusstseins:“ Ich komme gleich wieder!“ Also raus aus dem Laden, die paar Meter zu meiner Wohnung in Windeseile zurückgelegt, die Treppen hinaufgehastet, Tür aufgeschlossen, an der Perle vorbeigehetzt, zuggemurmelt ich müsste noch mal los, wieder die Treppen runter, weiter die paar Meter zum Eckladen und meine Schulden beglichen.

Manchmal entdeckt man Menschlichkeit an Orten und in Situationen, in denen man sie nicht erwartet hätte. Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder.

Critical mass

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Vor ein paar Tagen musste ich darüber nachdenken, als ich wieder einmal auf der Seite von Campact gelandet bin, wie lächerlich meine Teilnahme am Weltgeschehen doch ist. Nicht das ich mich nicht auskenne, nein, nein, nein, ganz im Gegenteil, ich würde sogar behaupten ich kenne mich, bezüglich des aktuellen Weltgeschehens relativ gut aus, aber ich mache nichts dagegen oder dafür, wie man es nimmt, oder nehmen möchte. Wenn man heutzutage schon einmal die Möglichkeit hat, durch das Bloggen, ohne größere Anstrengung Menschen zu erreichen und auf etwas aufmerksam zu machen, warum nutze ich/wir das ganze nicht viel mehr?

Sicherlich sind all die Selbseinschätzungen, Gedichte, Kurzgeschichten, Romane, Blogeinträge über unsere künstlerischen Zweifel auch sehr wichtig und sollten auch weiterhin einen wichtigen Stellenwert in unserem täglichen Schaffen einnehmen (da wir es eh nicht fertigbringen sie auszuknipsen, nehmen wir sie einfach mal an), aber wo sind sie, die gesellschaftskritischen Text, wo sind meine gesellschaftskritischen Texte? Oftmals hängt es wahrscheinlich auch damit zusammen, da wir, die sogenannten Künstler, eh schon so sehr mit unseren Zweifeln hadern, dass wir denken unsere Stimme, unser Meinung sei unwichtig, keiner will hören, was wir denken und fühlen. Genau da liegt aber die Crux, generell unser Problem, egal was für Texte wir schreiben, wir sind, ich bin einfach zu feige meinen Mund aufzumachen. Was kann passieren, wir verlieren einen Follower, der Beitrag erhält keine Likes, bricht unsere Welt davon zusammen, eigentlich nicht, es ist nur unser Ego, dass sich angekratzt fühlt.

Ich möchte daher, in der kommenden Zeit, meine Blogbeiträge versuchen zu erweitern und Texte einfliessen zu lassen zu Themen wie z.B. Glyphosat, Monsanto, TTIP und was ich sonst noch als wichtig erachte.

Gedanken am Donnerstag

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Eigentlich ist es doch ganz egal, ob man unglücklich ist, oder halbwegs zufrieden. Man hat ja doch immer irgendetwas auszusetzen an irgendetwas. Manches ist sicherlich ein wenig übertrieben, vieles aber, so finde ich kann man den äusseren Umständen ankreiden. Heute Morgen musste ich darüber nachdenken, da ich mit meiner Freundin/Verlobten, den Tag mit einem netten Kaffee bei uns am Kaffeehaustisch im Wohnzimmer am Fenster begonnen habe. Da wir am gestrigen Abend, einen Film auf ARD geschaut haben, wo ein Mann ganz alleine in einem schönen Häuschen einsam auf den Halligen gelebt hat und wir uns während des Films anschauten, in gemeinsam Einverständnis darüber, dass das genau das wäre was wir auch gerne machen würde, ging es am heutigen Morgen natürlich, wie so oft, um das Thema, was wir eigentlich machen wollen, so in Zukunft. Ja, wir wollen umziehen, noch dieses Jahr, aber wenn man dann etwas wie gestern Abend im TV sieht, dann bekommt dieses ganze Thema Umzug ein ganz neue Bedeutung. Generell wollen wir raus aus der Stadt, wir wohnen mitten in ihr, etwas ländlicher, mit einem Garten oder so, mehr Ruhe mehr Privatsphäre etc. etc. Sicherlich, würden wir ein kleines Häuschen etwas am Stadtrand finden, zu weit dürfte es nämlich auch nicht weg sein, da wir beide in der Stadt auch arbeiten und ich Anfang des Jahres erst mein Auto verkauft habe und wir derzeit auch keine wahre Intention haben uns in nächster Zeit ein neues zuzulegen, also sollte der neue Wohnsitz gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der Arbeit aus und retour zu erreichen sein. Eigentlich würden wir beide aber komplett alles aufgeben wollne, und so richtig raus aufs Land ziehen, uns soweit es möglich ist selbstversorgen, das komplette Programm eben. Jedoch, an einer einzigen Frage scheitere ich ständig: „Wie finanziert man solch ein Leben?“ Ich bin kein Handwerker, eher der Bürohengst, dass heisst ich könnte nicht einmal bei irgendwelchen Handwerksbetrieben anheuern die es ja ganz gerne mal ausserhalb gibt. Wir haben auch keine großen Ersparnisse, dass wir sagen könnten, ein Jahr werden wir erst mal so durchkommen und in der Zeit versuchen wir uns etwas aufzubauen, wir haben auch keine rechen Eltern, auf deren Kosten wir leben könnten, Lottogewinne halten sich bislang dezent zurück, und wir beide könnten auch nicht von zu Hause aus unserer derzeitigen Arbeit nachgehen. Wie man sieht ist unser Traum eigentlich komplett auf Sand gebaut, vielleicht sogar überhaupt nicht zu realisieren.

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Prinzipiell, wenn ich so vor mich hin träume, wäre die ganze Sache natürlich schon umzusetzen, ich denke mir immer, die Strukturen, in denen wir alle eingebunden sind, sind ja menschgemacht, daher müsste es doch sicherlich auch möglich sein genau diese Strukturen zu ändern. Wenn alle Angestellten sich auf einmal dazu entscheiden würden, die Arbeitswoche von einer 40 Stundenwoche in eine 20 Stundenwoche zu ändern, indem sie, wenn sie 20 Stunden gearbeitet haben, einfach nach Hause gingen und bis zu nächsten Woche nicht mehr erscheinen würden, müsste sich diese gesellschaftliche Struktur, zwangsweise, verändern. Natürlich müssten, um das zu erreichen, jeder Einzelne mitmachen, sonst gäbe es einfach nur eine große Kündigungswelle und die Aufrührer würden einfach ersetzt werden mit Menschen die bereit wären 40 Stunden zu arbeiten. Ich kennen genug Leute, die gerne ihrer Arbeit nachgehen, aber ich kennen niemanden, der seiner Arbeit gerne innerhalb dieser starren Struktur nachgehen möchte. Arbeit und Beruf sind jetzt auch nur ein Beispiel, aber es ist ein wichtiges Beispiel, da es den größten Teil des Tages in Anspruch nimmt und, wie ich meine, die besten Stunden des Tages. Ich verstehe es manchmal nicht, wie es überhaupt so weit kommen konnte, all die geduckten, unzufriedenen, grauen Gesichter Morgens auf ihren Wegen, es wird schlichtweg hingenommen das der Status Quo beschissen ist und argumentiert, dass es doch bereits immer so gewesen ist. Dieses „immer so gewesen“ haben aber wir selber zu verschulden, wir haben uns breitschlagen lassen, haben Gewichtigkeit zugeschrieben, jetzt müssen wir eben diese Suppe auslöffeln. Das Resultat an der Sache ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie ich selbstbestimmt weit ab von dem ganzen Lärm, aber auch nicht unbedingt als kauziger Waldschrat, leben könnte. Wie schaffe ich es monatliche Kosten zu decken, wenn ich nichts habe? Wie schaffe ich es mit dem wenigen was ich vielleicht habe genug zu haben, um die monatlichen Kosten zu decken, würde ich mich für solche ein Leben entscheiden. Sicherlich gibt es Möglichkeiten und sicherlich gibt es auch Leute die das machen, oder gemacht haben, aber mein verdammter Geist ist einfach zu beschränkt, als das ich mir eine Lösung für diese Problem überlegen könnte.

Schlecht gehts uns ja nicht, es ist noch immer ein Jammern auf sehr hohem Niveau, aber die Freiheit, die man denkt zu haben, ist am Ende vielleicht gar nicht so frei.

Ich hatte einen Lauf, wen es interessiert

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Während meiner Mittagspause habe ich ein bisschen das Internet durchforstet und wie es sich nun mal für den Schriftsteller, den mit Selbstzweifeln geplagten Schriftsteller (Scherz, oder!?) gehört, meist zu Themen die mich, nach meiner Auffassung, irgendwie in meinem eigenen Schöpfungsprozess weiterbringen können. Dabei bin ich, man könnte fast sagen gestolpert, gestolpert über einen einzigen Satz, der mich ein klein wenig länger festhielt, als anderes was ich im Zuge meiner Recherche so gelesen habe. Er lautet: „Language as a vehicle for the self“. Der Artikel dazu, der Satz war nämlich die Überschrift, wäre sicherlich ganz interssant gewesen, aber ich habe mir keine Mühe gemacht ih  mir durchzulesen, nicht mal darüberzufliegen. Warum – einfach nur darum, wahrscheinlich war ich schlichtweg zu faul, zu bequem, ausserdem bin ich mir sicher, dass ich ähnliche Inhalte sicherlich schon zu zigtausenden Malen woanders gelesen habe. Die Überschrift reicht mir völlig.

Als ich diesen Satz las, ging es mir durch den Kopf, was sagt mein Schreiben über mein Selbst aus? Ich bin davon überzeugt, dass Kunst, in jeglicher Form und Weise, eine Möglichkeit besitzt, etwas sehr intimes, privates über eine Person auszudrücken, sofern man es zu lässt. Die meisten von uns, ich inklusive, sind sicherlich noch immer viel zu sehr mit ihrer „Nach-Aussen-Wirkung“ beschäftigt, die den kreativen Output in einer gewissen Weise hemmt. Ich merke es selber, tagtäglich, wie ich während des Schreibens in meinem Kopf, oder vor meinem geistigen Auge eine richtige Trennlinie sehe, und ich mir während des Schreibens denke, dass ich das doch eigentlich viel ehrlicher, nackter, roher, oder wie auch immer ausdrücken sollte/könnte/möchte. Viel hat sicherlich auch mit Übung zu tun, keine Frage, aber der größte Teil dieses Dilemmas, meines Erachtens zumindest, liegt darin sich selber zu blockieren. Wäre ich Psychologe, der ich nicht bin, würde ich mir dazu sicherlich mangelndes Selbstbewusstsein bescheinigen, oder sonst irgendetwas. Sicherlich ist das auch irgendwie richtig, dieses mangelnde, oder beschränkte Selbstbewusstsein muss aber nicht in allen Aspekten des Lebens auftreten, sondern könnte punktuell vorkommen, wie in diesem Fall, des kreativen Schaffens.

Ich merke ich schweife bereits schon wieder ab, aber ich habe gerade einen Lauf und das Schreiben geht mir sehr leicht von den Händen, daher halte ich es noch ein wenig länger am Leben für heute, auch wenn ich dabei vielleicht nicht ganz auf den Punkt komme, wen störts.

Worüber ich mich wundere ist, was mein Schreiben mir über mein Selbst verraten könnte, bzw. ob das Schreiben, was ich derzeit regelmässig praktiziere (Klopf auf Holz), ob dass denn schon wirklich mein Schreiben ist, oder ob ich nicht auch noch viel zu sehr mich verstelle und versuche und probiere, wahrscheinlich sowohl als auch. Meine Mutter, die auch regelmässig meine Beiträge liesst, gibt mir ab und zu zu verstehen, dass ich doch wieder mal etwas lustiges schreiben sollte, mein Vater auf der anderen Seite findet meine Gedichte richtig gut, die Bilder die ich mit Worten male und Gefühle die ich ausdrücke. Ich bin mir gerade selber nicht wirklich sicher was ich hier gerade ausdrücken möchte, ich glaube aber das ich mir manchmal etwas fremd vorkomme wenn ich meine Texte schreibe. Manchmal finde ich es verwunderlich wie ich denn eigentlich so klinge, und was mich anscheinend interessiert ujnd bewegt. Ich werfe mir manchmal vor, dass dieses autobiographische Zeug nicht „richtiges“ Schreiben ist, vielleicht stimmt es vielleicht auch nicht. Sicherlich kann man damit keinen Roman entstehen lassen, obwohl man auch darüber streiten könnte, denn man könnte ja einmal versuchen, Muster zu sprengen, Ketten zu sprengen und den Roman neu zu definieren, und wenn auch nur für sich selbst. Ich denke aber, Sprache, und das damit verbunden Schreiben einem Seiten an sich entdecken lassen kann, von denen man nie geglaubt hätte sie würden vorhanden sein. Ich will jetzt gar nicht allzu tiefgründig damit werden, aber der Versuch sollte beim Schreiben, wei auch bei anderen kreativen Arbeiten stets darin bestehen, sich selber etwas näher kennenzulernen und versuchen über diese imaginären, aber doch allzu realen Grenzzaun, der uns hemmt, hinüberzusteigen. Erst dann wird es interessant, so denke ich zumindest. Lange Rede, eigentlich kurzer Sinn, Kunst als Ausdruck deines Innersten.

#22

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An Regentagen wandern die Gedanken.

Gedämpfte Welt, umhüllt von einem Tropfenschleier.

Überlegungen werden aufgeschoben, vertagt, sie können einen weiteren Tag warten.

Heute passe ich mich an, der reinigenden, frischen, jungfräulichen Natur.

Tagträume, blende alles um mich herum aus – es kann warten, heute!

An Tagen wie diesen scheint alles so einfach, klar.

Der Sinn so offensichtlich,

die Gitterstäbe lassen sich verbiegen.

Was soll ich aber nur machen, bin ich einmal draußen?

Der Schweinehund läßt grüßen.

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Heute Morgen, eigentlich gerade eben, habe ich kurz gehadert, ob ich nicht langsam des täglichen Bloggens überdrüssig geworden bin, um mich nur ein weiteres Mal daran zu erinnern, dass hier gerade meine Faulheit, Bequemlichkeit und mein Schweinehund spricht, der heute Morgen sehr hungrig zu sein scheint. Kurz überlegte ich, das tägliche Bloggen in ein, vielleicht dreimal-die-Woche-Bloggen umzuwandeln, um mir mehr Zeit zu geben, die Texte tiefer, reifer, substantieller zu entwickeln, was ich sicherlich (nicht) tun würde, hätte ich nur mehr Zeit. Wer es glaubt wird natürlich seelig, es würde nämlich so laufen, dass ich an den freien Tagen, meinen Hintern nicht hochbekommen würde, es auf Morgen, Übermorgen verschieben würde, und ruckzuck wäre eine weitere Woche vorrüber, überraschenderweise ohne einen einzigen Blogpost. Als Antwort darauf, oder als Ausgleich dafür, würde ich die folgende Woche natürlich wieder voll reinhauen, am besten gleich fünf Sachen veröffentlichen, aber am Ende dieser Woche, wenn die Besucherzahlen runtergehen, ich keine neuen Follower mehr bekommen, die ganze Sache in Frage stellen, den Weg des geringsten Wiederstands gehen, denn er ist so einfach, und den Blog komplett aufgeben. So würde es nämlich ablaufen, dass weiß ich ganz genau! Zugegebenermassen ich war die circa letzten 10 Tage etwas fauler, was meinen Anspruch angeht, ich bin am Morgen ein paar Mal liegengeblieben, musste dafür auf der Arbeit schreiben, es geht, es ging, aber das ist ja nicht der Sinn, mein Sinn an dem ganzen Projekt, halbarschige Texte und Gedichte zu schreiben, sondern etwas zu schaffen, worüber ich stolz bin, mal mehr mal weniger, aber zumindest an diesem Tag alles zu geben was in mir steckt, dem Prozess zu vertrauen und viele aufeinanderfolgende Schreibtagen zu sammeln, bis mir das ganze so dermaßen in Fleisch und Blut übergeht, dass es mein täglich Brot wird, meine Luft zu atmen. Theoretisch alles natürlich machbar, aber die Schwierigkeit an idealistischen Träumen liegt an ihrer praktischen Umsetzung und das man eben nicht in einem sterilen Raum lebt, in dem ich mich ganz und gar auf meinen Traum, mein Ziel konzentrieren kann. Von daher, sperre ich lieber den verdammten Schweinehund wieder in seinen Käfig, ziehe auch ein weiteres Mal meinen Kopf aus meinem Po und hacke und kratze weiter, Tag für Tag, auf Tastatur und Papier.

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An Franz Xaver Kappus
Paris am 17. Februar 1903
Sehr geehrter Herr,
Ihr Brief hat mich erst vor einigen Tagen erreicht. Ich will Ihnen danken für sein großes und liebes Vertrauen. Ich kann kaum mehr. Ich kann nicht auf die Art Ihrer Verse eingehen; denn mir liegt jede kritische Absicht zu fern. Mit nichts kann man ein Kunst-Werk so wenig berühren als mit kritischen Worten: es kommt dabei immer auf mehr oder minder glückliche Mißverständnisse heraus. Die Dinge sind alle nicht so faßbar und sagbar, als man uns meistens glauben machen möchte; die meisten Ereignisse sind unsagbar, vollziehen sich in einem Raume, den nie ein Wort betreten hat, und unsagbarer als alle sind die Kunst-Werke, geheimnisvolle Existenzen, deren Leben neben dem unseren, das vergeht, dauert.
Wenn ich diese Notiz vorausschicke, darf ich Ihnen nur noch sagen, daß Ihre Verse keine eigene Art haben, wohl aber stille und verdeckte Ansätze zu Persönlichem. Am deutlichsten fühle ich das in dem letzten Gedicht «Meine Seele». Da will etwas Eigenes zu Wort und Weise kommen. Und in dem schönen Gedicht «An Leopardi» wächst vielleicht eine Art Verwandtschaft mit diesem Großen, Einsamen auf. Trotzdem sind die Gedichte noch nichts für sich, nichts Selbständiges, auch das letzte und das an Leopardi nicht. Ihr gütiger Brief, der sie begleitet hat, verfehlt nicht, mir manchen Mangel zu erkläre, den ich im Lesen Ihrer Verse fühlte, ohne ihn indessen namentlich nennen zu können.
Sie fragen, ob Ihre Verse gut sind. Sie fragen mich. Sie haben vorher andere gefragt. Sie senden sie an Zeitschriften. Sie vergleichen sie mit anderen Gedichten, und Sie beunruhigen sich, wenn gewisse Redaktionen Ihre Versuche ablehnen. Nun (da Sie mir gestattet haben, Ihnen zu raten) bitte ich Sie, das alles aufzugeben. Sie sehen nach außen, und das vor allem dürften Sie jetzt nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben.
Dieses vor allem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muß ich schreiben? Graben Sie in sich nach einer tiefen Antwort. Und wenn diese zustimmend lauten sollte, wenn Sie mit einem starken und einfachen ich muß dieser ernsten Frage begegnen dürfen, dann bauen Sie Ihr Leben nach dieser Notwendigkeit; Ihr Leben bis hinein in seine gleichgültigste und geringste Stunde muß ein Zeichen und Zeugnis werden diesem Drange. Dann nähern Sie sich der Natur. Dann versuchen Sie, wie ein erster Mensch, zu sagen, was Sie sehen und erleben und lieben und verlieren.

Schreiben Sie nicht Liebesgedichte; weichen Sie zuerst denjenigen Formen aus, die zu geläufig und gewöhnlich sind: sie sind die schwersten, denn es gehört eine große, ausgereifte Kraft dazu, Eigenes zu geben, wo sich gute und zum Teil glänzende Überlieferungen in Menge einstellen.

Darum retten Sie sich vor den allgemeinen Motiven zu denen, die Ihnen Ihr eigener Alltag bietet; schildern Sie Ihre Traurigkeiten und Wünsche, die vorübergehenden Gedanken und den Glauben an irgendeine Schönheit – schildern Sie das alles mit inniger, stiller, demütiger Aufrichtigkeit und gebrauchen Sie, um sich auszudrücken, die Dinge Ihrer Umgebung, die Bilder Ihrer Träume und die Gegenstände ihrer Erinnerung.
Wenn Ihr Alltag Ihnen arm scheint, klagen Sie ihn nicht an; klagen Sie sich an, sagen Sie sich, daß Sie nicht Dichter genug sind, seine Reichtümer zu rufen; denn für den Schaffenden gibt es keine Armut und keinen armen, gleichgültigen Ort. Und wenn Sie selbst in einem Gefängnis wären, dessen Wände keines von den Geräuschen der Welt zu Ihren Sinnen kommen ließen – hätten Sie dann nicht immer noch Ihre Kindheit, diesen köstlichen, königlichen Reichtum, dieses Schatzhaus der Erinnerungen? Wenden Sie dorthin Ihre Aufmerksamkeit. Versuchen Sie die versunkenen Sensationen dieser weiten Vergangenheit zu heben; Ihre Persönlichkeit wird sich festigen, Ihre Einsamkeit wird sich erweitern und wird eine dämmernde Wohnung werden, daran der Lärm der anderen fern vorüber geht. Und wenn aus dieser Wendung nach innen, aus dieser Versenkung in die eigene Welt Verse kommen, dann werden Sie nicht daran denken, jemanden zu fragen, ob es gute Verse sind. Sie werden auch nicht den Versuch machen, Zeitschriften für diese Arbeiten zu interessieren: denn Sie werden in ihnen Ihren lieben natürlichen Besitz, ein Stück und eine Stimme Ihres Lebens sehen.

Ein Kunstwerk ist gut, wenn es aus Notwendigkeit entstand. In dieser Art seines Ursprungs liegt sein Urteil: es gibt kein anderes. Darum, sehr geehrter Herr, wußte ich Ihnen keinen Rat als diesen: in sich zu gehen und die Tiefen zu prüfen, in denen Ihr Leben entspringt; an seiner Quelle werden Sie die Antwort auf die Frage finden, ob Sie schaffen müssen.

Nehmen Sie sie, wie sie klingt, an, ohne daran zu deuten. Vielleicht erweist es sich, daß Sie berufen sind, Künstler zu sein. Dann nehmen Sie das Los auf sich, und tragen Sie es, seine Last und seine Größe, ohne je nach dem Lohne zu fragen, der von außen kommen könnte. Denn der Schaffende muß eine Welt für sich sein und alles in sich finden und in der Natur, an die er sich angeschlossen hat.
Vielleicht aber müssen Sie auch nach diesem Abstieg in sich und Ihr Einsames darauf verzichten, ein Dichter zu werden (es genügt, wie gesagt, zu fühlen, daß man, ohne zu schreiben, leben könnte, um es überhaupt nicht zu dürfen). Aber auch dann ist diese Einkehr, um die ich Sie bitte, nicht vergebens gewesen. Ihr Leben wird auf jeden Fall von da ab eigene Wege finden, und daß es gute, reiche und weite sein mögen, das wünsche ich Ihnen mehr, als ich sagen kann.
Was soll ich Ihnen noch sagen? Mir scheint alles betont nach seinem Recht; und schließlich wollte ich Ihnen ja auch nur raten, still und ernst durch Ihre Entwicklung durchzuwachsen; Sie können sie gar nicht heftiger stören, als wenn Sie nach außen sehen und von außen Antwort erwarten auf Fragen, die nur Ihr innerstes Gefühl in Ihrer leisesten Stunde vielleicht beantworten kann.
Es war mir eine Freude, in Ihrem Schreiben den Namen des Herrn Professor Horacek zu finden; ich bewahre diesem liebenswürdigen Gelehrten eine große Verehrung und eine durch die Jahre dauernde Dankbarkeit. Wollen Sie ihm, bitte, von dieser meiner Empfindung sagen; es ist sehr gütig, daß er meiner noch gedenkt, und ich weiß es zu schätzen.
Die Verse, welche Sie mir freundlich vertrauen kamen, gebe ich Ihnen gleichzeitig wieder zurück. Und ich danke Ihnen nochmals für die Größe und Herzlichkeit Ihres Vertrauens, dessen ich mich durch diese aufrichtige, nach bestem Wissen gegebene Antwort ein wenig würdiger zu machen suchte, als ich es, als ein Fremder, wirklich bin.
Mit aller Ergebenheit und Teilnahme:

Rainer Maria Rilke