#7

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Sonnenstrahlen trocknen regennasse Straßen,

spritzen aus Pfützen mir entgegen.

Wattewolken schieben sich träge durch blaue Himmel.

Ein freundlicher Spätnachmittag begrüßt das näherrückende Wochen-Ende.

Aus Wipfeln ruft es Frühling.

In großen Bögen umlaufe ich schattenwerfende Häuserwände.

Wechsle auf Seiten gelb-nasser Blütenblätter,

die mir den Weg nach Hause leuchten.

Von Schweinehunden und Facebook

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So, heute ist es mir passiert, ich habe mich am frühen Morgen von meiner Müdigkeit und der generellen Lustlosigkeit, die man um diese Zeit verspürt, hinreißen lassen. Ich habe den Schweinehund aus seinem Verschlag kommen lassen, meinem schwachen Geist die Oberhand gegeben, habe zugelassen zu verschieben, ausfallen zu lassen. Anstatt zu schreiben, vergeudete ich meine Zeit auf Facebook – und es war sau geil! Zugegebenermassen, ein kleiner Teil von mir macht sich große Vorwürfe, die Zweifel nagen, und dieser kleine Teil fragt sich, ob ich mein Momentum gänzlich verloren habe. Wie wird es morgen früh aussehen? Wenn erst einmal die Hemmschwelle überschritten, die Gateway Drug genommen – ich fange mit Gras an und höre mit Heroin auf! Wie gesagt, es ist nur ein ganz ganz klitzekleiner Teil in mir, der sich diese Vorwürfe macht. Nach gut einem Monat konstantem Schreiben – ich weiß, soviel ist es jetzt auch wieder nicht – fühle ich mich sicherer und bin davon überzeugt, dass ich es noch immer habe, mein Mojo, mein „Talent“! Auf dem Weg zur Arbeit ging ich sogar so weit, mir eine Frist bis Ende diesen Jahres zu setzten, bis wann ich ein „offizieller“ Schriftsteller zu sein gedenke, das heißt einen Verlag gefunden zu haben, der mich herausbringen möchte. Ich weiß, die Messlatte ist ziemlich hoch, verdammt hoch sogar, aber ich kann doch nicht schon gleich zu Anfang meine Ansprüche beschneiden. Ich habe entschieden, bezüglich dieses Themas großkotzig zu sein, arrogant, egoistisch und verdammt überheblich. Warum eigentlich nicht?!

#6

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Morgens, stehe ich auf,

ziehe mich an,

ziehe los.

Gehe meine Wege,

durch Häuserschluchten,

über Spielplätze,

vorbei an Straßen,

über Straßen,

quer über Plätze.

Komme irgendwo an,

hänge meine Jacke auf,

setzte mich,

korrespondiere,

schaue auf die Uhr,

zähle Stunden.

Dann gehe ich wieder los,

gehe meine Wege,

quer über Plätze,

über Straßen,

vorbei an Straßen,

über Spielplätze,

durch Häuserschluchten.

#5

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Ich reiße Ordner auf – mit ganz viel Lärm.

Ich loche, stempel, tackere, hefte zusammen, hefte ab – alles stets mit ganz viel Lärm.

Ich drucke aus, ordne, füge zusammen, schmeiße weg – alles stets mit ganz viel Lärm.

Ich blicke prüfend, kritisch, mit gerunzelter Stirn,

große Augen hinter noch größeren Brillengläsern.

Ich trinke Kaffee, atme aus – laut; stöhne, schnaufe,

hacke herum auf Tastaturen, klicke auf Mäuse – alles stets mit ganz viel Lärm.

So sieht er aus mein Arbeitstag!

Müde aber zufrieden!

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Ich bin in letzter Zeit unheimlich müde. Kein Wunder, wenn man jeden Morgen um 04:30 Uhr aufsteht und versucht, halbwegs lesbare Posts zu produzieren. Diese ganze Aufsteherei, die ganze Schreiberei geht mir langsam ins Blut über. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass man gut drei Wochen brauche, um sich eine Routine zu schaffen. Also 21 Tage am Stück täglich etwas machen, und dadurch entsteht dann eine Routine. Zugegebenermassen, es bedarf sicherlich noch ein wenig mehr. Aber ich spüre es deutlich: das morgendliche Bloggen ist zu einem Teil von mir geworden. Jetzt habe ich eher die Befürchtung, dass ich nie wieder aufhören kann und ich den Rest meines Lebens müde sein werde. Lieber müde, als unzufrieden! Ich tue mich aber ein wenig schwer, außerhalb der Blogsache zusätzlich zu schreiben. Das habe ich mir noch nicht wirklich aneignen können. Aber ich will nicht jammern, sicherlich bekomme ich das auch noch irgendwann hin. Wer weiß, vielleicht wird das Bloggen in einigen Jahrzehnten ein eigenes Literaturgenre bekommen, und dann müssen sich Leute, wie wir Blogger, nicht länger den Kopf darüber zerbrechen, ob wir jetzt „richtige“ Schriftsteller sind oder nicht. Wenn Shakespeare, Goethe, oder sonst wer die Möglichkeit des Bloggens gehabt hätten, wer weiß, vielleicht wären sie einer von uns gewesen.

Was mich noch immer beim Bloggen sehr überrascht, ist das Feedback, das ich von anderen Bloggern zu meinen Texten erhalte. Als ich hiermit angefangen habe, hatte ich mich eher auf eine anonyme Masse eingestellt, die á la Facebook-Manier dies und das „liked“, aber nie wirklich involviert zu sein scheint. Meine Follower, meine 28 Follower, auf die ich sehr stolz bin, sind da ganz anders unterwegs. Ich habe gestern einmal auf meine Statistiken geschaut und gesehen, dass ich bereist knapp 80 Kommentare erhalten habe und auch nicht irgendwelche nur pauschale kommentare/sätze/aussagen, überhaupt nicht! Jeder der mir einen Kommentar geschrieben hat, hat sich sichtbar mit mir und meinem Text auseinandergesetzt. Vielen Dank dafür!

Wie ich in meinem Post „Mut zur Ehrlichkeit bereits erwähnt habe, versuche ich in letzter Zeit, mehr mit meinen Texten zu wagen, nicht länger nur über das Schreiben zu schreiben, sondern richtig zu schreiben. Ich bin noch immer ein wenig wackelig damit, die Ideen sprudeln noch nicht wirklich, aber es klappt, irgendwie. Auch ich war das Rumgeheule über mein Schreiben einfach leid, versuche mich deshalb in den letzten Tagen verstärkt an Gedichten und Flash Fiction Geschichten. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen werde, aber das Bloggen und das damit verbundene tägliche Schreiben, haben mich wirklich weitergebracht. Ich fühle mich von Tag zu Tag sicherer mit dem, was ich mache, und nehme mein Schreiben endlich wichtig und wahr.

 

#4

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Draußen rasen Autos durch die Straßen.

Straßenbahnen rumpeln durch die Stadt.

Gebückte, müde Gestalten mit hochgeschlagenem Kragen,

drücken sich an Häuserwänden vorbei.

Vorbei die Ruhe des Wochenendes.

Hier drin werfen Kerzen Schatten an die Wände, ist es warm.

Meine nackten Füße graben sich in den dicken Teppich.

Die Wohnung ist mucksmäuschen still.

Ich trinke einen Schluck Kaffee, fühle mich gemütlich.

Die Uhr tickt, immer näher rückt die neue Woche.

Bei mir ist sie noch nicht angekommen.

Ich habe noch ein bisschen Zeit.

Make paper dirty!

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Schreib! Schreib! Schreib oder stirb, hämmert es in meinen Ohren. Eifrig, fieberhaft, mit dröhnendem Kopf vom vielen Rotwein des Vorabends, sitze ich über meinem Notizbuch, gierig nach Wörtern, Sätzen, ganzen Texten. Ich muss, muss kreieren, muss schaffen, muss schreiben! Es wird zur Manie, Tag ein Tag aus Papier zu füllen. Ich habe keine andere Bestimmung mehr in meinem Leben, als zu schreiben! Ein Zustand, den ich gerne annehme, eine Krankheit, von der ich niemals genesen will. Ich packe sie an meine Träume, Ziele, mein Leben, verwirkliche, eifrig, so gut ich kann, lass es heraus was in mir schlummert. Es wartet nur darauf geweckt zu werden, viel zu lange hat es bereits brach gelegen, geschlafen, gewartet. Wach auf! Recke und strecke dich – lebe! Euphorisch sehe ich zu, wie sich das weiße Papier vor mir füllt mit blauen Tintenklecksen, Wörtern. Neil Gaiman sagte einmal: “ Make paper dirty!“ Ich tue es, ich beschmutze es, saue es ein, bin kaltschnäuzig, respektlos, kompromisslos. Wörter müssen aufs Papier, mehr, mehr Wörter, die bisherigen reichen noch nicht aus, sind noch zu wenig, es stecken noch so viele mehr in mir. Sie wollen heraus, ich lasse sie. Kommt heraus – alle! Ich heiße sie willkommen, Platz ist genug!

 

 

#3

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Aus dem Bad brummt der Föhn.

Ich mag es, wie sie am frühen Morgen riecht.

Draußen schiebt ein Mensch Mülleimer quer durch den Hof.

Die Küchenuhr schreit, der Kaffee ist fertig.

Ich gieße uns zwei Tassen ein.

Sie kommt in die Küche, sie riecht gut, der Kaffee dampft.

Was für ein herrlicher Morgen!

Manchmal kann es schwer sein mit ihr.

Sie brüllt, sie schreit, hat ihre Launen.

Sicherlich denkt sie dasselbe von mir – zu Recht.

So schnell wie wir dann aufbrausen,

so schnell legt er sich wieder, der Sturm.

Wenn sie eine Tageszeit wäre, so ist es der Morgen.

Morgen sind leicht, liebevoll und zart – wie sie!

Viel haben wir bereits miteinander erlebt,

von gut zu schlecht, zu ganz bescheiden.

Wir standen stets hinter uns,

waren des Anderen Anker, Baum und Fels.

Über die vielen Jahre hat es uns zusammengeschweißt,

das Auf, das Ab.

Heute sind wir da, wo wir beide unmissverständlich hingehören,

am Ziel!

Wir vertrauen uns blind, es reicht ein Blick, es bedarf keiner tausend Worte.

#2

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Ich – stocke, stagniere, stutze, stottere, stolpere, stoppe, stecke.
Ich – probiere, laboriere, teste, prüfe, riskiere, wage, experimentiere, bemühe, traue.
Ich – schwanke, schwinge, schleudere, schwebe, schwenke, schwindel, schlingere.
Ich – erzeuge, erstelle, ermögliche, konstruiere, schaffe, tue, baue, mache, leiste.

#1

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Morgen – dunkel.

Monitor – hell.

Kopf – schwer.

Lust – wenig.

Kerzen – flackern.

Finger – tippen.

Magen – grummelt.

Ideen – sprudeln.

Uhr – tickt.

Autos – fahren.

Zeit – läuft.

Finger – tippen.

Beine – wippen.

Kaffee – dampft.

Augen – schwer.

Welt – erwacht.

Vögel – zwitschern.

Finger – tippen.

Kühlschrank – summt.

Nachbarn – poltern.

Musik – erklingt.

Füße – trampeln

Handys – klingeln.

Finger – tippen.

Mund – gähnt.

Arme – strecken.

Stuhl – knarzt.

Augen – reiben.

Spülmaschine – rattert.

Finger – tippen.