Writer’s Block – Schreibblockade

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Den Begriff „Schreibblockade“ gibt es vermutlich genauso lange, wie das Schreiben selbst. Der Begriff wurde das erste Mal in den 1940er Jahren, von einem Psychiater Namens Edmund Bergler, eingeführt. Bergler untersuchte über zwei Jahrzehnte, neurotische Hemmungen in Verbindung mit Produktivität/Kreativität und kam zu dem Schluß, dass blockierte Schriftsteller:

  1. weder ihren Vorrat an Inspiration aufgebraucht haben
  2. noch einen Mangel an externer Motivation haben
  3. nicht talentlos sind
  4. noch faul
  5. oder gelangweilt

Nach Berglers Ansicht, ähnelt ein Schriftsteller einem Psychoanalytiker, der unterbewußt inneren Probleme durch das Schreiben versucht zu lösen. Ein Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet, ist zu allererst psychologisch blockiert und braucht eine Therapie, gemäß dem Motto: löst man das intrinsisch psychologische Problem, so löst man die Schreibblockade. Es gab jedoch auch Kritiker, die Berglers Untersuchung als lückenhaft bezeichneten, denn man konnte nicht nachzuweisen, ob eine vorangegangene psychische Blockade, stets auch Auslöser der Schreibblockade war.

In den 1980er Jahren nahmen sich zwei Psychologen, Jerome Singer und Michael Barrios, der Universität Yale des Problems an. Sie versuchten ein empirisches Verständnis davon zu bekommen, was es bedeutet eine Schreibblockade zu haben. Sie rekrutierten eine breitgefächerte Gruppe von kreativen Köpfen – Schriftsteller unterscheidlicher Genres, Theaterschauspieler, Drehbuchautoren etc. Alle Mitglieder mussten, seit mindestens drei Monaten, an einer Schreibblockade leiden.

Nach einer mehrmonatigen Untersuchung, inklusive 60 unterschiedlicher psychologischer Tests, kamen Singer und Barrios zu einem ersten Ergebnis. Alle Probanden waren schlichtweg unglücklich! Die Gruppe wies Symptome auf wie Angst, übertriebene Selbstkritik, Depressionen, Zwangsneurosen, Selbstzweifel, Prokrastination, Abneigung gegenüber Einsamkeit (ein schwerwiegendes Problem, da schreiben meist Einsamkeit voraussetzt). Singer und Barrios konnte die Gruppe jedoch in vier Kategorien unterteilen:

  1. Die Angst/Stress Gruppe – für diese Gruppe war eine tiefe seelische Belastung der größte Hemmschuh.
  2. Die Gruppe der Unglücklichen – sie fiel durch Wut/Abneigung gegenüber ihren Mitmenschen auf.
  3. Die Apathische Gruppe –  ihre Mitglieder waren abgestumpft und leidenschaftslos.
  4. Die Enttäuschte Gruppe – hier waren die Gefühle sehr stark negativ geprägt, weit über eine Traurigkeit hinaus. Ihre Mitglieder waren feindseligkeit und wütend.

Singer und Barrios fanden heraus, dass Menschen, die an einer Schreibblockade litten, eine eingeschränkte, positive Bildsprache oder Metaphorik besaßen. Sie hatten Schwierigkeiten zu tagträumen und eine verringerte Vorstellungskraft. Die Auswirkung dieser eingeschränkte Metaphorik, wirkte sich, je nach Kategorie, unterscheidlich auf die Probanden aus.

  1. Die Angst und Stress Gruppe – fühlte sich unmotiviert auf Grund ihrer übertriebener Eigenkritik. Nichts schien gut genug. Ihre Vorstellungskraft blieb zwar nicht aus, aber die gesteigerte Eigenkritik ließ sie auf der Stelle treten.
  2. Die Gruppe der Unglücklichen – fehlte es an Motivation, da sie ihre Arbeit nicht mit der von Anderen vergleichen wollten. Ihre Vorstellungskraft war relativ intakt.
  3. Die Apathische Gruppe – war die am meist blockierteste Gruppe. Sie konnten nicht tagträumen, ihnen fehlte Originalität, Vorstellungskraft. Sie fühlten sich eingeengt, worunter ihr Schöpfungsprozess am meisten litt.
  4. Die Enttäuschte Gruppe – brauchten  Aufmerksamkeit und Zuspruch von Außen, um sich zu motivieren. Sie waren sehr stark narzisstisch veranlagt, was sich auch in ihrer Arbeit wiederspiegelte.

Da die eingenschränkte Vorstellungskraft bei allen Probanden nachgewiesen werden konnte, beschlossen Singer und Barrios hier ihre Theapie anzusetzten. Die Therapie, in Form einer Übung, sollte den Kandidaten verhelfen, ihre Vorstellungskraft zurückzuerlangen. Der Kandidat sollte sich zehn Stichwörter überlegen und aufschreiben was immer ihm dazu in den Sinn kam. Es konnte sein, dass ein Kandidat an ein Musikstück dachte, der nächste an einen Ort in der Natur. Im nächsten Schritt nahmen die Kandidaten, anstatt zufälliger Sprichwörter, Szenen und Kapitel aus ihrem Buch/Geschichte/Theaterstück und schrieben erneut auf, was ihnen dazu in den Sinn kam. Es war eine Art autogenes Schreiben. Bereits nach zwei Wochen, konnten Singer und Barrios eine Auflösung/Linderung der Schreibblockade feststellen.

Edmund Bergler hatte Recht als er behauptete, dass der Schreibblockade ein psychisches Problem zu Grunde liegt. Berglers Ansatz, eine  Schreibblockade mit einer Psychotherapie zu therapieren, schien jedoch etwas übertrieben. Singer und Barrios bewiesen, dass zuerst die Schreibblockade therapiert werden müsste, mit Hilfe von Übungen zur Steigerung der Vorstellungskraft. „Sinnfreies“ Schreiben, scheint eine Schreibblockade lösen zu können. Als Folge des sich wiedereinstellenden Erfolges, könnte eine gelöste Schreibblockade gar tieferliegende psychischen Probleme, wie Angst und mangelndes Selbstbewusstsein lindern . Im Endeffekt, zwei Fliegen mit einer Klappe!

 

 

 

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